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Freuds Religionskritik ist ebenso pro-fund wie radikal. Jede Religion habe drei Aufgaben zu erfüllen: die der Belehrung, der Tröstung und der Anleitung. Diese Aufgaben seien für die Religionen aber nicht zu lösen, ohne den Wert des Lebens herabzusetzen, das Bild der realen Welt zu entstellen und die Intelligenz aufs heftigste einzu-schüchtern. Heinz Henseler, Ordina-rius für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitäts-klinikum Tübingen, führt den Leser zunächst systematisch an Freuds reli-gionskritische Schriften heran, die er referierend zusammenfaßt, um sie dann kritisch kommentierend zu diskutieren. Dabei gelingt es ihm im ersten Schritt, auch die Entwicklung bei Freud selber, von der Analogie der »Zwangshandlungen und Religions-übungen« , die er 1927 in Die Zukunft einer Illusion widerrief, über die Auseinandersetzung mit Religion als Ausdruck archaischer Denksysteme (Totem und Tabu, 1912/13) bis hin zu Der Mann Moses und die monotheistische Religion , nachzuzeichnen. Dabei interessiert Henseler der »ernstzunehmende Rest« (S. 8) von Religiosität, mit dem eine wirkliche Auseinandersetzung lohne. In einem zweiten Schritt faßt der Autor die Literatur einer seriösen theologischen Auseinandersetzung mit den psychoanalytischen Auffassungen Freuds zusammen, in dem er, eine klare Auswahl treffend, Johannes Schreiber , Joachim Scharffenberg und Hans Küng referiert und ebenfalls kritisch kommentiert.
Im dritten Schritt geht Henseler von dem Resümee aus, daß die elementaren Wünsche nach Belehrung, Trost und ethischer Anleitung angesichts von Bedrohtheit und Hilflosigkeit des Menschen für alle Religionen gilt. Dieses »elementare Bedürfnis nach Rettung aus Ohnmacht, Kleinheit, Un-vollkommenheit, Abhängigkeit, Unsi-cherheit und der dringende Wunsch nach eigener Macht, Größe, Vollkom-menheit, Unabhängigkeit, Sicherheit durch Teilhabe an solchen Eigenschaften eines über alle Nöte erhabenen Wesens« (S. 121) weisen nach Henseler auf Qualitäten der frühen Mutter-K