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Die Aufforderung »Erzähle das nie-mand …«, die der Titel dieses Buches formuliert, hat die Verfasserin, eine re-nommierte Psychoanalytikerin aus Rio de Janeiro, mehrfach zu hören be-kommen. Aber sie hat sich den Mund nicht verbieten lassen. Sie war es, die in der schlimmsten Zeit der brasiliani-schen Militärdiktatur in Lebensgefahr geriet, weil sie den in psychoanalytischer Ausbildung befindlichen Kollegen denunziert hat, der an Folterungen beteiligt war. Darüber und wie sich die Internationale Psychoanalytische Vereinigung und die beiden ihr ange-schlossenen Gesellschaften in Rio dazu verhalten haben, haben sie und der Rezensent dieses Buches auch dem deutschen Publikum schon berichtet (Psyche 7/1984, 12/1985, 11/1988). Doch was man damals noch als Versuche der Verleumdung oder Anschwärzung der Psychoanalyse bzw. der betroffenen psychoanalytischen Organisationen zurückzuweisen versucht hat, ist längst bewiesen. Die IPA selbst hat inzwischen eine Kehrtwendung voll-zogen und klar zu verstehen gegeben, daß die Ereignisse für die darin Ver-strickten den Ausschluß zur Folge haben sollten.
Da könnte es zweifelhaft erscheinen, ob es sich überhaupt lohnt, auf die unerfreuliche »alte Geschichte« noch einmal zurückzukommen. Frau Besserman-Viannas Buch verdeutlicht, daß es sich nicht nur lohnt, sondern daß es notwendig ist für das Verständnis der Entwicklungsgeschichte der Psychoanalyse in Rio und grundlegender Probleme der wechselseitigen Be-einflussung von Psychoanalyse, psychoanalytischen Gesellschaften und Gesellschaft. Das spannend zu lesende Buch liefert eine Fülle von Informationen über das komplexe Geflecht von persönlichen, institutionellen, gesellschaftlichen und politischen Beziehungen, in denen sich die psicanalise carioca entwickelt hat. Dem Leser wird begreiflich, warum die Direktorien der psychoanalytischen Gesellschaften freiwillig der Militärdiktatur zugearbeitet haben, warum sie nicht den Folterer und seinen Lehranalytiker, sondern die Denunziantin disziplini