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ist einem größeren Leserpublikum durch seine Monographie über den Zusammenhang zwischen mütterlicher Zuwendung und geistiger Gesundheit bekannt geworden. Er beschreibt dort die nachteiligen Folgen, die entstehen, wenn Kinder ohne Mütter in Institutionen aufwachsen, in denen ihre emotionalen und kognitiven Bedürfnisse nur unzureichend befriedigt werden. Nach Erscheinen dieser Monographie im Jahr 1951 ist zu diesem Thema viel geforscht worden. Bowlbys Aussagen wurden relativiert und modifiziert, aber als grundlegende Einsicht bleibt, daß die langandauernde Trennung von der Mutter bei ungenügendem Ersatz einen erstrangigen Risikofaktor für die weitere seelische Entwicklung darstellt.
Im Mittelpunkt der vielseitigen Interessen und Begabungen Bowlbys stand die Rolle der Umwelt in der Genese von Neurosen. Bowlby entwickelte seine Position in Auseinandersetzungen mit Melanie Kleins Theorien. In Diskussionen mit Kleinianern und in persönlicher Supervision bei Klein gewann er den Eindruck, daß sie die Bedeutung der Umwelt und des Realtraumas nicht hinreichend anerkannte und diesbezüglich allenfalls Lippenbekenntnisse ablegte (Hunter, 1986, S. 173f.). Im Kern gingen (und gehen) die Kleinianer davon aus, daß autoplastisch erzeugte Phantasien die Realitätswahrnehmung und -Verarbeitung bestimmen und reale Erfahrungen »innerlich« entstandene Phantasien nur modifizieren können. Bowlby hingegen war der Auffassung, daß die Inhalte von Phantasien überwiegend von den Erfahrungen mit der Außenwelt geprägt sind. Seine Abneigung gegen die - wie er es nannte - »exzessive« Betonung der Phantasie ist er bis an sein Lebensende treu geblieben. Behaviorist ist er dennoch nie gewesen oder geworden: »I'm just as concerned with the internal world as anyone else, but I regard the internal world as a reasonably accurate reflection of what a person has met with in the external world« (Bowlby et al., 1986, S. 43f.).
Wie andere Psychoanalytiker (z.B. Spitz und Mahler) bewegte er sich im Laufe der Zeit