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Im Sommer 1994 fand in Berlin ein Kongreß zum Thema »Spaltungen in
der Geschichte der Psychoanalyse« statt (vgl. den Kongreßbericht von Will, Psyche, 49, , S. 184-189), dessen Plenarvorträge nunmehr als Tagungsband vorliegen. Dieser Kongreß war schon deshalb von besonderer Bedeutung, da knapp 50 Jahre nach Ende des Krieges und der Befreiung vom Nationalsozialismus in Berlin erstmalig wieder ein internationales psychoanalytisches Fachpublikum zusammenkam. Die Entscheidung der Internationalen Vereinigung für Geschichte der Psychoanalyse (A. I. H. P.), zu diesem Zeitpunkt dieses Kongreßthema in dieser Stadt auszurichten, kann mit Fug und Recht als überdeterminiert gelten. Berlin, vormals Hauptstadt des Deutschen Reiches, in der die nationalsozialistische Rassen-, Kriegs- und Vernichtungspolitik geplant und organisiert wurde, steht gewissermaßen als »präsentatives Symbol« für gleich mehrere Spaltungen ein: so natürlich für die jahrzehntelange Blockkonfrontation, die mit dem Fall der Mauer 1989 ein Ende fand und zu einer »Widervereinigung« der Stadt führte, aber auch für in der Geschichte der Psychoanalyse spaltungsrelevant gewordene Ereignisse - Ludger Hermanns hebt das in seinem Vorwort hervor. Das Zerwürfnis mit dem Berliner HalsNasen-Ohrenarzt Wilhelm Fließ, der für Freud im Prozeß seiner Selbstanalyse und der Herausarbeitung seiner Theorie bekanntlich eine große Rolle gespielt hat, kann gleichsam als Modell für die folgenden Schismen gelesen werden. Des weiteren hat das berühmte Berliner Psychoanalytische Institut, das in den zwanziger Jahren für eine feste und allgemein verbindliche Institutionalisierung sorgte, nach dem frühen Tod Karl Abrahams allerdings zum Herd vieler Konflikte wurde, Spaltungspotentiale gewissermaßen »exportiert« (Jones). Und nicht zuletzt war Berlin der Ort, an dem nach dem Kriege die 1950 zur Spaltung von DPG und DPV führenden Auseinandersetzungen der in Deutschland verbliebenen Psychoanalytiker ihren Ausgang nahm.
Die insgesamt sehr heter