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Es gibt kaum Untersuchungen, die sich ausdrücklich mit männlicher Sozialisation, mit für Männer spezifischen Entwicklungsverläufen, entsprechenden Problemkonstellationen und Konfliktsituationen beschäftigen. Diese ethnopsychoanalytische Studie ist daher von besonderer Bedeutung für eine nach Geschlechtern differenzierende Perspektive auf Sozialisationsprozesse und ihre Einbettung in gesellschaftliche Strukturzusammenhänge.
Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage nach der inneren Bereitschaft für die Unterordnung unter und die Übernahme von Herrschaft, nach der Verbindung von männlichem Habitus und patriarchaler Herrschaft. Empirische Basis ist eine als ethno-hermeneutisch bezeichnete Interpretation von an Prinzipien der Gruppenanalyse orientierten Gesprächen mit Jugendlichen vom Sepik in Papua-Neuguinea. Die Jugendlichen repräsentieren die erste Generation in ihrer Ethnie, die als eine kleine Minderheit den traditionellen dörflichen Lebenszusammenhang nicht nur vorübergehend verläßt, sondern für die über die von westlich-christlichen Prinzipien geprägte Sekundarschule der Einstieg in die »moderne Arbeits- und Konsumgesellschaft« (S. 17) beginnt. Diese Jugendlichen befinden sich in einer äußeren und inneren Umbruchsituation, in der sich die Entstehungsbedingungen und Strukturen der für Männer spezifischen psychischen Dispositionen,
wie sie westlichen Gesellschaften entsprechen, besonders prägnant zeigen lassen.
Ein zentrales Element der gesellschaftlichen Umstrukturierungen, mit denen die Jugendlichen — insbesondere durch die Institution Schule — konfrontiert sind, liegt in der veränderten Bedeutung von Herrschaftsverhältnissen. Die traditionellen Sepik-Kulturen kamen ohne männliche politische und ökonomische Herrschaft aus, ohne Machtzentren und zentrale Machtinstanz. Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern, Generationen und zwischen unterschiedlichen Clans wurden durch ausbalancierte Prinzipien wechselseitiger Verpflichtungen geregelt, die ein hohes Maß an wech