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Alice Holzhey-Kunz versucht mit dem Anspruch, Freud und Heidegger kritisch zusammenzudenken, endlich Ernst zu machen. Die evidenten Unterschiede beider Autoren werden dabei von ihr nicht bagatellisiert, sondern im Sinne spannungsreicher und also produktiver Komplementarität begriffen: »Freuds Anthropologie mangelt der Begriff der »Welt« (menschliches Dasein als »In-der-Weltsein«), und in Heideggers Daseinsanalytik bleibt der Mensch ein Neutrum -ohne Leib und Geschlecht« (S. 132). Kritisch versteht sich dieser Ansatz auch insofern, als er gegen jede Spielart des therapeutischen Familialismus auf den Einsichten der psychoanalytischen Kulturtheorie insistiert (bes. S. 135 gegen Winnicotts »genügend gute Mutter«). Es wird zu fragen sein, inwieweit sich dies mit einer existen-zialontologischen Reflexion Freudscher Grundkategorien (Wunsch, Todestrieb, Ödipuskomplex, Verdrängung) vereinbaren läßt.
Am Anfang steht die Abgrenzung von bisherigen Formen der Daseinsanalyse: zunächst von Ludwig Binswanger, der — mit Blick auf Sein und Zeit — den Begriff als solchen überhaupt erst prägte, und sodann von Medard Boss, der explizit gegen Binswanger den späten Heidegger in den Mittelpunkt seiner therapeutisch-medizinischen Überlegungen stellte. Nach Holzhey-Kunz bleiben beide Entwürfe einem Ideal von Erkenntnis als positiver Deskription verhaftet, demgegenüber die Autorin das Recht der Interpretation von verdecktem oder entstelltem Sinn das originäre Prinzip psychoanalytischen Denkens in Anschlag bringt. Der Einwand erweist sich als um so stichhaltiger, je offener Binswanger und Boss dazu übergehen, Psychoanalyse insgesamt mit mechanistischer Naturwissenschaft gleichzusetzen, die den Menschen einseitig auf das Element des Triebes oder Wunsches festlege, anstatt ihn als »ganzen« zu erfassen. Erstens wird aber, so Holzhey-Kunz, bei beiden Autoren gerade der Selbstbezug (im Heideggerschen Sinne des welthaft gestimmten und sich verstehenden Daseins) abstrakt verabschiedet: bei Binswanger