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Erst in den letzten Jahren wandte sich die psychoanalytische Community der Frage zu, ob auch in Täterfamilien des Nationalsozialismus transgenerative Mechanismen zu beobachten sind, die Schuld und Scham als ein Dreigenerationenschicksal verstehen lassen. Verständlicherweise war die psychoanalytische Forschung, übrigens vorwiegend getragen durch jüdische Psychoanalytiker, zuerst auf die Untersuchung der Auswirkungen des Holocaust auf Überlebende und deren Kinder ausgerichtet. Dazu liegt inzwischen eine Vielzahl eindrücklicher Untersuchungen vor, die die transgenerative Weitergabe solcher nicht zu verarbeitenden Traumatisierungen in Opferfamilien belegen. Erst in den Achtzigerjahren wiesen einzelne deutsche Psychoanalytiker auf ihre Beobachtungen hin, daß auch in Täterfamilien die nationalsozialistischen Verbrechen als unbewußtes Thema von Generation zu Generation weitergetragen wird. Mit der für psychoanalytische Forschungen charakteristischen zeitlichen Verspätung werden z. Zt. klinische Studien zu den transgenerativen Mechanismen der Weitergabe von Schuld und Scham über die im Nationalsozialismus begangenen Verbrechen durchgeführt.
Vor diesem Hintergrund ist das Forschungsprojekt zu verstehen, das die AutorInnen Anfang der neunziger Jahre initiierten (unterstützt von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur). Meines Wissens ist es die erste systematischempirische Studie zu den Auswirkungen der NS-Sozialisation auf die erste, zweite und dritte Generation. Die AutorInnen untersuchen solche transgenerativen Vermittlungen exemplarisch am Beispiel von Absolventen der »Nationalpolitischen Erziehungsanstalten« (Napola).
Der Kontakt zur ersten Generation (Jahrgänge bis ) wurde durch eine Suchanzeige in überregionalen Zeitungen geknüpft. »Einige wenige Namen von ehemaligen Napolanern wurden uns von Kollegen genannt. Nach einer ersten Interviewrunde haben wir in den Fällen, die uns besonders aussagekräftig zu sein schienen, Zweitinterviews (in einigen