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Aufgrund einer Reihe historischer und psychosozialer Indikatoren geht der Autor davon aus, daß der Nationalsozialismus keine Entgleisung der deutschen Geschichte war, sondern den verborgenen Teil einer spezifischen deutschen Normalität zum Vorschein brachte. Das Beängstigende sei die Normalität der Täter gewesen, mit der sie das Geschäft der Vernichtung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken betrieben haben. Kaminer macht dafür eine verbreitete psychische Grundstruktur verantwortlich, deren Kern eine verinnerlichte Vernichtungswelt war, die in der NS-Zeit externalisiert und an anderen exekutiert wurde. Die Ablehnung von Schwäche, Ohnmacht und Hilflosigkeit, die vom NS gepredigt wurde und sich auch in der pädagogischen und psychiatrischen Literatur der zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre findet, deutet auf abgewehrte Selbstanteile hin, die auf das Fremde projiziert wurden — der »Volkskörper« sollte gereinigt und die ihm zusetzenden »Schädlinge« »vertilgt« werden. Viel spricht dem Autor zufolge dafür, daß eine Erziehung, die vermittels »Seelenmord« an Kindern diese später zu fühllosen Tätern werden läßt, nach wie vor wirksam ist und daß sich hinter der Fassade einer scheinbar harmlosen Normalität weiterhin ein mörderisches Potential verbirgt.
»Ich bin völlig normal. Denn selbst, als ich diese Vernichtungsaufgabe durchführte, war mein Familienleben durchaus normal« (Rudolf Höß)1