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Es hat lange gebraucht, bis es in Deutschland möglich wurde, den Anteil der Wehrmacht, von Polizeibataillonen und etlichen anderen Organisationen am nationalsozialistischen Genozid an den Juden öffentlich zu thematisieren. In diesen Kontext, der sich vermutlich erst in der zweiten und dritten Generation zu entfalten vermochte, gehört auch die Studie von Goldhagen, die einen Kernbereich des deutschen Vernichtungswillens, den Antisemitismus der Deutschen, ins Auge faßt. Die Autorin erinnert daran, daß der von Goldhagen so genannte eliminatorische Antisemitismus in eine Vielzahl historischer und sozialer Bedingungen -Deutschland als »verspätete Nation« (H. Plessner), die ihre prekäre Identität und ihren ethnisch definierten Zusammenhalt über spezifische Ausgrenzungsmanöver gegenüber Fremden und Projektion des Selbsthasses nach außen zu finden suchte — eingebettet war, die ihn zumindest im Rückblick als solchen erscheinen lassen. Nur wenn es gelinge, so die These der Autorin, die Kette von Selbsthaß, Idealisierung des Autoritären, Unterwerfungsbereitschaft und Sadismus zu sprengen und den anderen als Mitmenschen anzuerkennen, sei es möglich, der Gewalt nach innen wie nach außen zu entsagen.