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»Keine Deutschen, kein Holocaust« (S. 19), ist die zentrale, provozierende These von Daniel Jonah Goldhagen. Demnach wäre der Mehrzahl der Deutschen vor und während der Herrschaft des Nationalsozialismus ein Merkmal zuzuschreiben, das sie von Angehörigen anderer Nationen signifikant unterschied und das einen notwendigen Erklärungsgrund für die mit Hilfe zahlloser »williger Vollstrecker« - Goldhagens Schätzung zufolge hunderttausender — durchgeführten Vernichtung von Juden darstellt.
Aus dieser Herangehensweise resultiert zunächst ein bestimmter narrativer Stil im Buch Goldhagens. »Die erste Aufgabe … besteht darin, ihnen [den Tätern] ihre Identität zurückzugeben, schon in der Grammatik. Man muß im Aktiv und nicht im Passiv berichten, um sicherzugehen, daß nicht die Täter bei der Schilderung ihrer Taten — fünfhundert Juden sind in der Stadt X am Tage Y getötet worden« -ausgeblendet werden. Dabei müssen wir bequeme, aber oft unangemessene und vernebelnde Etikettierungen wie »Nazis« oder »SS-Männer« vermeiden und sie als das bezeichnen, was sie waren, nämlich Deutsche. Der angemessenste, ja der einzig angemessene Begriff für diejenigen Deutschen, die den Holocaust vollstreckten, lautet »Deutsche«« (S. 19). »Als zweites gilt es, den Hintergrund der Täter zu beleuchten, zu vermitteln, wie ihr Leben während des Genozids aussah, ihre Lebenswelt anschaulich zu machen. Was taten sie genau, wenn sie mordeten? Und wie verbrachten sie ihre Zeit in den Mordinstitutionen, wenn sie nicht gerade mordeten? Solange wir nicht sehr viel mehr Einzelheiten Über ihr Leben und ihre Handlungsweisen wissen, können wir weder sie noch die Art, wie sie ihre Verbrechen verübten, verstehen« (S. 20).
Goldhagens Argument für einen spezifisch deutschen Willen zur Judenvernichtung ist, wie er wiederholt darlegt, nicht nationalistisch, sondern historisch gemeint. »Die Vorstellung einer Kollektivschuld lehne ich kategorisch ab.« Die Qualifizierung der Täter als »der Deutschen« beruht vielmehr auf einem q