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Rein äußerlich betrachtet scheint die neueste Veröffentlichung der Münchener Psychoanalytikerin Thea Bauriedl Leben in Beziehungen. Von der Notwendigkeit, Grenzen zu finden eher
ein »Leichtgewicht« zu sein: Kaum 160 Seiten umfassend, deutlich als Buch für den interessierten Laien bezeichnet, nicht einmal mit einem imponierenden Literaturverzeichnis versehen — geschweige denn mit einem Registerteil und Anmerkungsapparat -, legt das Bändchen die Vermutung nahe, daß es sich eher um ein Nebenwerk der renommierten Wissenschaftlerin aus München handeln dürfte. Doch nichts wäre falscher als das. In Wahrheit handelt es sich bei dieser Publikation um eine glänzend strukturierte und äußerst konzentrierte Darstellung der von Bauriedl auf psychoanalytischer Grundlage entwickelten »Beziehungstheorie«. Klarer und kompakter war das bisher nirgendwo nachzulesen. Das Buch scheint mir also gerade für den Einstieg in Bauriedls Beziehungstheorie geeignet zu sein, um so mehr, als die Verfasserin an drei konkreten Problembereichen die Grundaussagen ihrer Beziehungstheorie anschaulich zu exemplifizieren versteht: am Beispiel der Beziehungen in Familien, am Beispiel der psychotherapeutischen Beziehungen und am Beispiel »ökologischer« Beziehungen. Die Münchener Therapeutin, die zum Glück zu jenen Psychoanalytikerinnen zählt, die das kulturkritische Erbe der Psychoanalyse nicht aufgegeben haben, setzt, wie es sich für eine Angehörige dieser Profession wohl von selber versteht, an der Basis ihres Erkenntnis »gegenstandes« an: am Unbewußten, genauer, an den »unbewußten szenischen Phantasien«, die den von ihr analysierten Beziehungsstrukturen zwischen den Menschen zugrundeliegen (apropos: immer wieder orientierend und hilfreich sind Bauriedls Verbalisierungen solcher Fantasien in Gestalt der wörtlichen Rede; so können manche Fantasien zum Beispiel in dem Satz zusammengefaßt werden: »Wennein Konflikt entsteht, ist einer schuld«. Und andere: »In einem Konkurrenzkampf bleibt der übrig, der am br