You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Autorinnen demonstrieren am Beispiel von Elfriede Jelineks im Jahre 1989 erstmals erschienenen Text Lust einen konkreten interdisziplinären Dialog zwischen einer Psychoanalytikerin und einer Literaturwissenschaftlerin. Die Psychoanalytikerin Leuzinger-Bohleber zeigt anhand des Übertragungskonzepts und unter Einbeziehung ihrer analytischen Arbeit mit psychogen sterilen Frauen, deren Hauptsymptomatik sich in Kindsmordphantasien äußerte, daß diese todbringende Form weiblicher Sexualität auch in Jelineks Text als zentrales Thema erscheint. Die Literaturwissenschaftlerin von Hoff hält dagegen ihre Interpretation offener. Sie analysiert den Text als einen postmodernen, der eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten anbietet und Leserinnen und Leser zu einer je eigenen Lektüreweise auffordert. Die Autorinnen zeigen, daß der interdisziplinäre Dialog, bei dem sich keiner im anderen verliert, vielmehr die Differenzen beider Disziplinen wachgehalten werden, die eigene Wahrnehmung vorantreiben und für den Verstehensprozeß fruchtbar sein kann.
»Sie wissen, ich bemühe mich ums Einzelne und warte ab, bis das Allgemeine von selbst daraus entsteht« (Sigmund Freud an Lou Andreas Salomé am 1. April 1915).