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Die psychoanalytische Interpretation von Texten der schönen Literatur ist bisher bei Lichte besehen ein allenfalls in Ansätzen von Ingenium und Temperament des je einzelnen Interpreten ablösbares Unternehmen. Im einen Falle mit großer Sensibilität für die Zerbrechlichkeit des Gegenstandes gehandhabt, wofür Freud selber ein glänzendes Beispiel ist, im anderen schlimmen Falle zum schnöden Beweisstück für die Ubiquität psychoanalytischer Konzepte denaturiert, bleiben diese Interpretationen in aller Regel doch ohne eine methodische Stringenz, die man schließlich auch dann wird erwarten können, wenn man sich nicht auf die Seite einer rigiden Wissenschaftsgesinnung schlägt. Daß derartige Bemühungen als angewandte Psychoanalyse firmieren, was Freud im übrigen schon im »Nachwort zur Frage der Laienanalyse« von 1927 als ein auf einer Abbreviatur beruhendes Mißverständnis entlarvt hat, mag zu diesem Zustand beigetragen haben. Jedenfalls entbehrt dieses Projekt alles in allem noch einer in einer Methodologie begründbaren Methode, die es ein Stück weit von der Person des Interpreten unabhängig und damit, wenn auch nicht unbedingt ohne Grenzen, methodisch reproduzierbar und intersubjektiv nachprüfbar macht. Mit den beiden Büchern, die hier angezeigt werden, ist ein Weg beschritten und ein gutes Stück weit zurückgelegt, der diesen Zustand gründlich ändern kann. Es handelt sich um den »transdisziplinären« Versuch, Literaturwissenschaft und Texttheorie (einschließlich Semiotik) zum einen, Psychoanalyse des weiteren und schließlich theologische Hermeneutik in ihren jeweils avanciertesten Konzepten und auf der Grundlage der gemeinsamen Textgestalt ihrer Gegenstände zu verbinden, und zwar so, daß keine der beteiligten Wissenschaften in ihrer Verständnisweise von dieser Konfrontation unberührt bleibt. Ist es im Falle der Psychoanalyse doch nicht zuletzt das Anwendungsparadigma, das die Entwicklung einer auf der Anerkennung der spezifischen Natur des Gegenstandes der Interpretation beru