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Die modernen Humanwissenschaften und Künste sind, gewollt oder ungewollt, von der Psychoanalyse geprägt. Kann diese heute, in die Jahre gekommen und von einem sich wissenschaftlich gebenden, militanten Behaviourismus herausgefordert, auch etwas von ihnen zurückbekommen? Kann allenfalls »ein Gedicht Wirklichkeit besser erfassen als ein Gewicht«? Die Frage stellt sich mit einiger Dringlichkeit und rechtfertigt die Besprechung eines Werkes, das auf den ersten Blick die Psychoanalyse nur am Rande berührt. Hans-Jürgen Heinrichs, Ethnologe, wissenschaftlicher Publizist und freier Schriftsteller, ist zwar mit ihr gut vertraut, hat in den Siebzigerjahren auch gelegentlich in dieser Zeitschrift publiziert, sich aber in jüngster Zeit vermehrt anderen theoretischen Strömungen in Geschichte, Ethnologie, Literatur, Malerei, Soziologie, Musik und Film zugewandt. In seiner großangelegten, mehr als »Palimpsest« denn als »polarisierende Festschreibung« gemeinten Untersuchung des »weiten Feldes zwischen dem Eigenen und dem Fremden« stellt Heinrichs die Frage nach dem Verhältnis von Künstler und Wissenschaftler in ihren je verschiedenen, aber immer emotional getriebenen Zugängen zur Wirklichkeit: Beide begreift er als gleichwertige Erfinder, Erzähler (und Verschweiger, S. 160), ja »Bastler« (nach Claude Levi-Strauss und Marc Auge) des Anderen, bei dessen Beschreibung sie ihr Eigenes ungesehen vor ihren Augen hertragen »wie ihre Nase« (nach Nigel Barley). Er zupft dabei immer wieder an unserer »Tarnkappe von Objektivität«, stochert in dem »Nebel, den wir Identität nennen«, verweist darauf, daß der Gegensatz von Forschen und Leben, wie etwa die Kategorien empirisch/interpretativ, bloße Konstrukte seien und daß sich der Europäer »in seinen Erfindungen eigentlich wie in Spiegeln anschauen« könne. Er stellt die eminent ethische Frage, ob Begrifflichkeit und Instrumentarium der exemplarischen Wissenschaften überhaupt ausreichen, »um die Fremdheit der durch Fluchtbewegungen und multikulturel