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Was macht einen guten Psychoanalytiker aus? Mit dieser Frage hat sich Margarete Mitscherlich verschiedentlich in ihren Schriften beschäftigt. Der Psychoanalytiker, so schreibt sie, identifiziert sich mit dem besonderen Zugang der Psychoanalyse zur Wahrheit, als einem Wissen und den Kontakt zu den eigenen Gefühlen, Phantasien, Wünschen und unbewußten Motiven, die das Handeln beeinflussen. Ein auf diese Weise gestärktes selbstkritisches Ich soll ihn von einer allzu ungebrochenen Identifizierung mit einer Gruppe und den Meinungen seiner menschlichen Umgebung unabhängiger machen. Sie empfiehlt den Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytikern, »sich mit dem Freud zu identifizieren, der seine Methode auf eine kritische und meist erstaunlich furchtlo-se Offenheit den eigenen Gefühlen und Phantasien gegenüber aufbaute und seine Theorie stets zu ändern bereit war, wenn neue Erfahrungen seine bisherigen Standpunkte veränderten«.
Wir gratulieren Margarete Mitscherlich mit diesem Psyche-Heft zu ihrem achtzigsten Geburtstag und ehren sie als eine Frau und Psychoanalytikerin, die diese Haltungen in hohem Maße verkörpert. Aus einer Familie mit einer deutschen Mutter und einem dänischen Vater stammend, war sie durch sehr unterschiedliche Elternteile von früh an mit zwei oft gegensätzlichen Weisen zu denken, zu fühlen und zu bewerten, konfrontiert. Sie führt ihre Berufswahl, Psychoanalytikerin zu werden, maßgeblich darauf zurück. Eine andere Quelle sieht sie in ihrem von Kindheit an bestehenden Interesse an Menschenschicksalen, das sie damals vor allem durch Lektüre der Weltliteratur befriedigte.
Vermittelt durch die Beziehung zu Alexander Mitscherlich ließ sie sich ab 1950 zur Psychoanalytikerin ausbilden und begann an der Abteilung für psychosomatische Medizin an der Universität Heidelberg zu arbeiten. Unzufrieden mit der synoptischen Psychotherapie im Nachkriegsdeutschland, in der als Erbe des Göring-Instituts alle psychotherapeutischen Richtungen amalgamiert waren, ging sie als ein