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In der Historiographie der Psychoanalyse überwiegt nach wie vor das Interesse an der Gründerfigur Freuds und dessen persönlicher Lebensleistung. Demgegenüber zeigen Mühlleitner und Reichmayr auf der Basis eines umfangreichen Datenmaterials, daß sich die Entstehung und Verbreitung der Psychoanalyse im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts nicht zuletzt einer Gruppe von Männern und Frauen verdankt, die sich seit 1902 zunächst in der sog. Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft, später in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung zusammenfanden. Die Autoren untersuchen personelle Zusammensetzung und Struktur der Gruppe — Mitgliederzahlen und Fluktuationen, soziale und geographische Herkunft, Ausbildung und beruflichen Werdegang, das Verhältnis von jüdischen und nichtjüdischen Mitgliedern, von Ärzten und Nichtärzten, von Frauen und Männern — und gelangen zu dem Schluß, daß sich bei den Wiener Freudianern zwischen 1902 und 1938 insgesamt ein Trend von einer heterogen-harmonischen zu einer homogenen Gruppe feststellen läßt. Mühlleitners und Reichmayrs Studie, durch Tabellen, Zahlen und Statistiken gestützt, korrigiert und relativiert eine Reihe populärer Annahmen über die Freudianer in Wien.