You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»Der Fall Freud: 1. Schöpfungsgeschichten«, wie der Titel des Buches von Han Israels in der Übersetzung lautet, beschäftigt sich mit Freuds frühen Kokain- und Hysterie-Forschungen. Es will jedoch diese berufliche Phase in Freuds Leben keineswegs ernsthaft dokumentieren und beurteilen, sondern läßt im Gestus des investigativen Journalismus nichts unversucht, den Menschen Sigmund Freud zu diskreditieren. In dieser Hinsicht gehört es also zu der gegenwärtig modischen Literatur, die den Charakter und die wissenschaftliche Integrität des Begründers der Psychoanalyse zerstören will.
Wenn ein verstorbener Wissenschaftler, der sich nicht länger selbst verteidigen kann, in dieser Weise angegriffen wird, dann müssen diejenigen, die es besser wissen, dafür sorgen, daß historisches und wissenschaftliches Unrecht nicht einfach schweigend hingenommen wird. Sonst besteht die Gefahr, daß sich bei uninformierten Lesern und gelegentlich sogar bei Spezialisten statt der komplexen Realität deren Karikatur durchsetzt. Diese Verantwortung ist besonders drängend, wenn ernstzunehmende Zeitschriften und Zeitungen, deren Leser nicht in der Lage sind, sich ein eigenes Urteil zu bilden, die publizierten Unterstellungen durch unkritische Rezensionen weiter verbreiten (vgl. z. B. in diesem Fall die Rezension von Martin Stingelin in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 30. Juni 1993).
Ich las Israels' Buch auf Anregung des Leiters der Sigmund-Freud-Copyrights, der dem Autor Einblick in nicht allgemein zugängliche Dokumente gewährt hatte. In mein Fachgebiet fiel vor allem der erste Teil des Buches, der sich mit Kokain beschäftigt. Sigmund-Freud-Copyrights bat mich um meine Meinung zu der wissenschaftlichen Qualität dieses Teils, um entscheiden zu können, ob sie die notwendigen Genehmigungen erteilen sollten oder nicht.
Die wissenschaftliche Qualität dieses Teils des Buches war ausgesprochen schlecht. Wie in so vielen anderen neueren Arbeiten aus diesem Genre wimmelte es auch hier von Fehlern und H