You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im Vorwort schreiben die Autoren: »Unsere Fragen sind die des Psychoanalytiker-Forschers, dessen Standpunkt nicht zulassen wird, daß man die Psychoanalyse mit dem Maßstab anderer Disziplinen mißt.« Mit den Augen der Psychoanalyse gesehen weise die »freudianische Theoriebildung« Widersprüche und innere Risse auf (S. 9), fahren sie fort. Nach vielen Erklärungen, fast Entschuldigungen dafür, daß sie Freuds Theorien psychoanalytisch untersuchen, geben sie zu: »Es versteht sich von selbst, daß die vorliegende Arbeit eine fundamentale Kritik an der Lehre Freuds darstellt« (S. 15). Es folgen drei große Abschnitte, in denen »Widersprüche und innere Risse« aufgezeigt werden, vor allem in Freuds Texten, aber auch in der Geschichte der psychoanalytischen Bewegung. Ich will später auf sie eingehen und dem Leser der Rezension die lange Wartezeit ersparen, die der Leser des Buches durchstehen muß, bis er die Theorie der Autoren erfährt: Ein Trauma, das Freud als Kind erlebt hat, ein traumatisches Geschehen, das die Familie Freud mit Schweigen übergehen mußte, lebte in dem heranwachsenden Freud als Geheimnis weiter, das nicht aufgedeckt werden durfte und das die aufdeckende analytische Arbeit durch eine gegenläufige Tendenz behinderte. Und welches Trauma ist es gewesen? Wenn ich (die Rezensentin) unter Psychoanalytikern frage, stelle ich fest: Die Tatsachen sind nur wenigen bekannt, obwohl Peter Gay sie in seiner Freudbiographie erwähnte, obwohl sie Freud selbst in der Traumdeutung andeutet (G.W. II/III, S. 142 ff.). Hier sind sie: Im Juni 1865, als Sigmund Freud gerade neun Jahre alt war, wurde in Wien der Bruder seines Vaters, Josef Freud, verhaftet und zusammen mit einem Komplizen, Osias Weich, wegen Verbreitung von Falschgeld (russischen Rubeln) angeklagt. Im Februar 1866 wurde er zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Bericht der Polizei an das österreichische Außenministerium enthält die Vermutung, daß die falschen 50-Rubel-Noten in England gedruckt wurden und zwei Neffen Jo