You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Michael B. Buchholz, vor allem bekannt geworden durch familiendynamische Arbeiten und seine »Metaphernanalyse«, präsentiert in dem von ihm herausgegebenen Band, dem eine von ihm und Ulrich Streeck geleitete Tagung in Tiefenbrunn bei Göttingen zugrundelag, nicht nur psychoanalytische, sondern auch soziologische Forschungsmethoden zur Interpretation von verschriftetem Fallmaterial. Für den psychoanalytischen Kliniker und Forscher ist die Lektüre vor allem deshalb spannend und reizvoll, weil sie ihn auch mit anderen als den gewohnten Methoden vertraut macht; dar-überhinaus konfrontiert sie ihn mit der Frage, ob Wissenschaftler anderer Disziplinen möglicherweise wichtige klinische Phänomene tiefgründiger wahrnehmen können.
Von Außenstehenden und Kritikern der Psychoanalyse wird oftmals angenommen, daß die Geltungsbegründung psychoanalytischer Deutungen ausschließlich aufgrund der Rekonstruktion der vergangenen psychischen Realität des Analysanden zustandekommt, wobei dessen Erinnerung als Kriterium für die Gültigkeit angesehen wird. Das Fehlen eines privilegierten epistemischen Zugangs zur Innenwelt, die Anfälligkeit für alltagspsychologische Erklärungsmuster und die Suggestibilität des Analysanden schränken die Gültigkeit der Interpretationen allerdings drastisch ein (so z. B. der Wissenschaftsphilosoph Grünbaum). Bei dieser Argumentation wird aber übersehen, daß die psychoanalytische Interpretation nicht von der Verwendung einer Methode abhängig ist, sondern daß zu ihrer Gewinnung in den allermeisten Fällen von konvergierenden Daten ausgegangen wird, die aufgrund mehrerer Methoden zustandegekommen sind. So wird die Analyse von Phantasien im Hier und Jetzt der analytischen Beziehung neben dem Verstehen des verbal Mitgeteilten vorgenommen anhand