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Über Freud und die Psychoanalyse ist einmal gesagt worden, daß man ihren Wert allein schon daran ermessen könne, wie sehr sie den Diskurs des Menschen über sich selbst angeregt habe, wie verarmt ohne sie dieses kulturelle Gespräch wäre, und dieser Wert habe Bestand selbst dann, wenn die Psychoanalyse in diesem oder jenem Detail als widerlegt anzusehen sei. Wie weit ausgreifend der psychoanalytische Einfluß reicht, kann man wahrscheinlich kaum ermessen, oft sogar ist Psychoanalytikern selbst kaum noch bewußt, wie ungeheuer befruchtend die Psychoanalyse auf Nachbarwissenschaften gewirkt hat. Wer auch immer von den Nachbarn, seien es Psychologen, Linguisten, qualitative Sozialforscher, Sprachwissenschaftler oder praktische Mediziner ins psychoanalytische Land gereist kam, kehrte reich beladen nach Hause zurück. Man mag mit der Märchenformel einwenden: »Das war einmal«, und der Umstand, daß es kein ausgeprägtes Bewußtsein innerhalb der Psychoanalyse über die weitergereichten Schätze gibt, spricht vielleicht für sich. Einer jedenfalls, der von psychoanalytischem Denken in größtem Ausmaß profitierte und gleichzeitig in der Lage wäre, es seinerseits zu erfrischen, ist Norbert Elias - aber er ist vermutlich vielen Psychoanalytikern unbekannt.
Norbert Elias hat etwas zu begründen, versucht, dem er den Namen einer »Menschenwissenschaft« gegeben hat. Noch im vorigen Jahrhundert als Sohn vermögender jüdischer Eltern in Breslau geboren und hoch betagt 1990 gestorben, hatte er in den zwanziger Jahren bei dem Neukantianer Richard Hönigswald, wenn auch mit Schwierigkeiten, promoviert; ein Vorhaben, das an zu sehr divergierenden Ansichten mit seinem Lehrer scheiterte. Eine Episode blieb die Zeit in Frankfurt, die Elias mit wissenssoziologischen Studien bei Karl Mannheim verbrachte, und als 1933 die Nazis auch das intellektuelle Leben verwüsteten, war Elias klug und informiert genug, rechtzeitig erst nach Paris, dann nach England zu emigrieren. Dort schrieb er das riesige zweibändige