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Freud und Schopenhauer gelten in vielerlei Hinsicht als Geistesverwandte, nicht selten wird Schopenhauer als »Vordenker« Freuds bezeichnet - zuweilen in polemischer Absicht gegen den Begründer der Psychoanalyse. Tatsächlich finden sich im Schopenhauerschen Werk zahlreiche Anhaltspunkte dafür - die wiederum auf klinische Erfahrungen zurückgehen -, daß das, was Freud »Verdrängung« nennen sollte, dort bereits vorformuliert ist: Wahnsinn ist für Schopenhauer eine »Krankheit des Gedächtnisses« und geistige Gesundheit die Fähigkeit zur »vollkommenen Rückerinnerung«. Bei aller sachlichen Nähe von Freud und Schopenhauer im Blick auf das Konzept der Verdrängung - eine Nähe, die auch, wie Gödde zeigt, für die Schopenhauersche Metaphysik und die Freudsche Metapsychologie gilt, darf freilich nicht übersehen werden, daß Freud, was die theoretische Erkenntnis und die klinische Nutzung des Verdrängungsbegriffs betrifft, weit über Schopenhauer hinausgeht.