You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»… und kurze Antworten helfen nicht viel«1
Karl Fallend und Bernd Nitzschke haben sich um die Reich-Biographik verdient gemacht, ersterer (1988) durch seine Pionierarbeit über »Wilhelm Reich in Wien«, letzterer (1992) durch seine Dokumentation der Vorgänge um den Ausschluß Reichs aus der DPG/IPV. Beide tun viel dafür, daß ihre Funde und Thesen nicht untergehen (siehe Fallend, 1985; 1992; Nitzschke, 1990; 1991). In zwei Beiträgen zu dem von ihnen edierten Aufsatzband Der »Fall« Wilhelm Reich (1997) greifen sie auf die alten Vorräte zurück. Neu und spannend ist diesmal, daß sie die Rundbriefe von Otto Fenichel benutzen konnten, die sich als Kardinalquelle zur causa Reich in der Mitte der 30er Jahre erweisen (vgl. Alnaes, 1997).2 Ihre Erzählung aber zwängt das historische Geschehen in ein Gut-BöseSchema: Wilhelm Reich, Vorkämpfer einer »politischen« Wissenschaft, erlag Vereins-Funktionären, die zur Anpassung an die Nazis um fast jeden Preis bereit waren. Diesen Mythos vom Opfer-Helden hat Reich selbst geschaffen. Man kann die Geschichte auch anders erzählen. Leider hat die Abwehr des wiederbelebten Mythos zur Folge, daß Respekt und Sympathie für den genialischen Mann, der viele angeregt und sich selber viel geschadet hat, zu kurz kommen.3
Aus Fallends Forschungen über die Wiener Jahre von Reich hebe ich zwei Ereignisse hervor, weil sie in der Struktur auf Künftiges vorausdeuten: