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Die »höchst vielschichtige und wechselvolle Geschichte der Nietzsche-Rezeption« (S. VIII) hat einen Gipfelpunkt in der Interpretation von Aspekten im Werk Nietzsches, die ihn als Wegbereiter des Nationalsozialismus erscheinen lassen. Reinhard Gasser, der Autor des zu rezensierenden so außerordentlich verdienstvollen Werks, geht vielleicht ein wenig zu schnell über dieses Thema, das ja nicht das seine ist, hinweg. Nur ein Satz aus dem »Nachlass der Achtzigerjahre« (Nietzsche, Werke III, 427 f.) soll dafür stehen: »Jene ungeheure Energie der Größe zu gewinnen, um, durch Züchtung und andrerseits durch Vernichtung von Millionen Mißratener, den zukünftigen Menschen zu gestalten und nicht zugrunde zu gehn an dem Leid, das man schafft und dessenglei-chen noch nie da war!« Wer denkt nicht an Himmlers Worte, der am Ende stolz darauf war, bei allem »sauber geblieben zu sein«. Nietzsche erscheint hier als Prophet, jedoch nicht als einer, der warnt! Nietzsche war aber kein Antisemit (S. 33). Gleichwohl gibt es Sätze und Ansätze bei ihm, auf die sich Antisemiten berufen konnten (Aschheim, 1997). Für G. Lu-kacs war Nietzsche deshalb »endgültig desavouiert« (S. VII), in der ehemaligen DDR wurde Nietzsche für tabu erklärt.
Es ist vielleicht nicht sehr geschickt, diese Rezension so einzuleiten; mancher Leser dieser Zeitschrift könnte geneigt sein, die Lektüre hier zu beenden. Gasser versucht, diesen Eindruck mit einem unkommentierten Zitat von Colli abzuschwächen (S. 291). Ein Vorurteil kulminiert in dem vielzitierten Wort von der »blonden Bestie« als Ideal eines Herrenmenschen im Sinne Nietzsches. Nietzsche spielte hier auf das antike Vorbild der »flavia bestia« an, das den Löwen metaphorisierte, und schreibt im gleichen Zusammenhang unter anderem vom arabischen und japanischen Adel, d.h. das ominöse Wort ist nicht im Sinne eines »Nordischen Rassismus« gemeint (S. 290, Fn.). Aber das Nietzsche-Bild erfuhr auch Aufwertungen. Als Beispiel sei Habermas zitiert, der 1968 mit Blick auf d