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97 Jahre nach Freuds Traumdeutung offeriert Wilhelm Salber, der Begründer der Psychologischen Morphologie, Traum und Tag. Einen umgepolten Tagtraum? Ein handliches Buch über den Traum, der den Tag in der Hand hat. In meinen Augen ein philosophisches Werk; denn es leitet das Funktionieren des alltäglichen (banalen, konkreten) Geschehens ab aus der (psy-cho-logischen) Konstruktion des Traumes.
Zugespitzt könnte man in philosophischer Sprache sagen: Es handelt sich um eine Traum-Metaphysik, die aber im Unterschied zu den traditionellen Metaphysik-Entwürfen von Wirklichkeit/Realität so entwickelt ist, daß sie stets den (für andere im Erleben und Beschreiben nachvollziehbaren) konkreten Bezug zum Alltag, hier und jetzt, wahrt.
Wilhelm Salber, der während seiner 30jährigen Tätigkeit als Direktor des Psychologischen Institutes der Universität Köln das Konzept der Psychologischen Morphologie entwickelte, bezeichnet sein Buch, das nun als Werkausgabe (Bd.15) auf dem Markt erscheint, als einen »wissenschaftlichen Essay«. Er selbst spricht nicht von Philosophie, nicht von Metaphysik. Dennoch ist nicht zu verkennen, daß dieses Werk einen Höhepunkt markiert.
Neu ist: »die Wirklichkeit von Traum und Tag einmal von Gestalt und Verwandlung her in den Blick zu nehmen«. Damit geht wissenschaftsthe-roetisch gesehen konsequenterweise einher, daß wir in Salbers Traum-Buch mit völlig anderen Kategorien zu rechnen haben (z.B.: Wirkungsqualitäten, Austausch, Verrücken, Verhältnisse, Werk-Muster, Anproben von Verwandlungen, Bild-Logik, Versionen, Wirkungs-Einheiten, Trans-Figuratio-nen).
Die Analyse eigener Träume und Beispiele manifester Träume von Patienten sowie deren methodische Übersetzungen