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Einem Buch den Titel Freud lebt zu geben will heutzutage ziemlich kühn erscheinen. Setzt dieser Titel doch einen etwas euphorischen Kontrapunkt gegen die zahlreichen Für-Tot-Erklärun-gen, die gegenüber dem Freudschen Werk alle Nase lang wieder zu lesen und zu hören sind. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger! Und ganz im Gegensatz zu den ständigen Beurteilungen oder »Evaluierungen« der Psychoanalyse mit Methoden oder Theorien, die für den Gegenstand unangemessen sind und/oder von der Psychoanalyse längst überholt wurden, haben viele von Freud geschaffene Begriffe in den alltäglichen Sprachgebrauch Eingang gefunden und dort zweifellos »Konjunktur«.
Man kann die Zugehörigkeit von psychoanalytischen Begriffen wie »Verdrängung«, »Freudsche Fehlleistung«, »Identifikation«, »Ödipuskomplex«, »infantile Sexualität«, »Realitätsprinzip«, »Spannungsabfuhr« — um nur einige der verbreitetsten zu nennen -zum Wortschatz von weit mehr Menschen als nur den einschlägig Gebildeten als journalistisch induzierte Modeerscheinung, die zudem der Psychoanalyse wenig nutzt, abtun. Wissen doch viele, die solche Begriffe verwenden,