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22.1.1998
Die Psychoanalytischen Wissenschaftler des Sigmund-Freud-Instituts (Forschungsinstitut für Psychoanalyse und ihre Anwendungen, Frankfurt am Main) fordern Sie auf, dem sogenannten »Großen Lauschangriff« Ihre Zustimmung im Bundesrat zu verweigern.
Wir befinden uns mit diesem Appell in Übereinstimmung mit den Fachgesellschaften der Psychoanalytiker. Bedingung für die Ausübung unseres Berufes ist die Zusage absoluter Verschwiegenheit gegenüber den Patienten, die ihrerseits aufgefordert sind, sich über ihre Probleme vorbehaltlos zu offenbaren. Die vorgesehene Gesetzesänderung ist mit dem Schutz dieses Vertrauensverhältnisses und somit einer unverzichtbaren Grundlage unseres Heilberufes unvereinbar.
Absehen von der schwerwiegenden Behinderung unserer Berufsausübung erkennen wir in der vorgesehenen Gesetzesänderung einen in seiner Tragweite unverantwortlichen Eingriff in bürgerliche Freiheiten, dessen möglicher relativer Nutzen für die Verbrechensbekämpfung in keinem akzeptablen Verhältnis zu dem Schaden für die Prinzipien unserer offenen demokratischen Gesellschaft steht.
gez.