You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Autor unternimmt den Versuch, die Trauerrituale unterschiedlicher alter bzw. neuer Kulturen und psychoanalytische Betrachtungen über Trauer einander gegenüberzustellen. Ausgehend von der strukturellen Verwandtschaft von Bestattungsriten, arbeitet er eine allen Totenritualen gemeinsame Struktur heraus: Die Krise, die der Tod in der Gemeinschaft auslöst, verlangt nach absondernder Opferung, damit das Kollektiv zu neuer kultureller Ordnung auferstehe. Am Beispiel des Orpheus-Mythos und analoger mythischer Erzählungen zeigt Haas, daß der Trauernde einer Zerreißprobe zwischen dem Diesseits und Jenseits ausgesetzt ist. Der Tote wird aus dem Jenseits zurückzuholen versucht. Das Scheitern dieses Versuchs ist notwendig, um die Trennung zwischen Lebenden und Toten endgültig zu besiegeln. Der Überlebende kann sich erneut im Diesseits einrichten. In der anschließenden Parallelisierung zu psychoanalytischen Theorien über die Trauer beschreibt der Autor die innerseelische Dramaturgie des individuellen Trauerprozesses, was er anhand eines Therapieausschnitts exemplifiziert.