You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Faust (schaudernd): Den Möttern! Trifft's mich immer wie ein Schlag! Was ist das Wort das ich nicht hören mag?
Weil der heranwachsende deutsche Mensch den Ort des Schönen, die Literatur, nur noch aufsucht, wenn der Strom ausfällt oder das Internet kollabiert, hat die ZEIT von Harald Schmidt (RTL), Marcel Reich-Ranicki (ZDF), Peter Gauweiler (CSU) und anderen Wächtern der deutschen Le-sekultur per TED eine Strichliste anfertigen lassen, die den multimedial zerrötteten Gesamtschöler auf die immergröne Weide der schriftlichen Überlieferung zuröckföhren soll. Die Charts werden von unseren großen Toten Goethe, Kafka und Thomas Mann mit je 28, 18 und 14 Nennungen angeföhrt. Satiriker konnten wegen des Ernstes der Lage leider nicht beröcksichtigt werden. Ist Ulrich Greiner vom Zwischendeck seines betagten Flaggschiffs kopföber in die hanseatische Waldmeisterbowle gefallen? Wird der beschworene Literaturkanon die ZEIT öbers Sommerloch retten? Vermag der postgermanistische Durchhalteappell irgendeinen Hund beziehungsweise Welpen aus dem Cyberspace zu locken?
Diese und andere Fragen, die ergraute Mitglieder des Philologenverbandes und andere Konsumenten des gehobenen Feuilletons periodisch wieder und wieder umtreiben, lassen Jörgen Manthey scheinbar völlig kalt. Manthey, der in Essen einen Lehrstuhl för vergleichende Literaturwissenschaft in nehat, lädt den Leser in seiner bei Hanser erschienenen Untersuchung Die Unsterblichkeit Achills. Vom Ursprung des Erzählens in unaufdringlicher Weise dazu ein, an seiner stillen und dennoch obsessiven Liebe zur Literatur teilzuhaben. Man kann sie teilen. Muß aber nicht. Das Verfahren ist denkbar einfach. Er geht ab, was er gelesen, und erzählt nach, was ihn beeindruckt hat. Die Abbildung eines Gemäldes von August Renoir auf dem Schutzumschlag »Madame Claude Monet mit ihrem Sohn Jean im Garten von Argenteuil« gibt das Thema vor: Mutter und Sohn lagern im Schatten eines Baumes. Den Kopf auf ihre Höfte gestötzt, liegt seine Hand besitzergreif