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Sigmund Freud, der seine wissenschaftliche Laufbahn als Neurologe begann, war bekanntlich an einer Verbindung von Psychoanalyse und Neurowissenschaft stets interessiert. Nach einer Reihe von Entwürfen, wie seelische Vorgänge in die Sprache der Neurophysiologie und Neuroanatomie zu übertragen wären, nahm er aber von diesen Versuchen Abstand und konzentrierte sich ganz auf die psychologische Analyse: Die damaligen neurowissenschaftlichen Kenntnisse waren zu unzulänglich, um beide Bereiche wissenschaftlich fruchtbar aufeinander beziehen zu können. Die Hoffnung auf eine Verbindung gab er jedoch nie ganz auf. Das materielle Substrat und die Verankerung des Seelischen in der Biologie blieb für ihn ein wichtiges, zukünftig zu lösendes Problem. 100 Jahre später spricht man von einem »goldenen Zeitalter der Hirnforschung« (Wolf Singer: »Auf dem Weg nach innen. Ein kognitives System versucht sich selbst zu ergründen: Fünfzig Jahre Jahre Hirnforschung in der Max-Planck-Gesellschaft«, FAZ vom 27. Februar 1998). Eine Fülle neuer Informationen wurde durch Neurowissenschaften, Molekularbiologie, Genetik und Kognitionsforschung u. a. verfügbar. Die Entwicklung sogenannter bildgebender Verfahren schuf die Voraussetzung für eine nicht invasive Untersuchung des tierischen und menschlichen Gehirns in vivo. Dadurch können die neuronalen Grundlagen komplexer kognitiver und mentaler Leistungen erforscht werden. Von neuem über die Beziehung zwischen Psychologie und Hirnforschung nachzudenken scheint mithin an der Zeit.
Durch das Aufkommen der kognitiven Psychologie seit den sechziger Jahren wurde der Behaviorismus entthront und die mentalen Zustände wieder als eigener Forschungsgegenstand eingesetzt. Ihr Ziel war, unabhängig vom anatomischen Substrat die Gesetze herauszufinden, nach denen das Denken im Computer wie im Gehirn funktioniert. Jetzt, mit den Fortschritten in den Neurowissenschaften, versucht die moderne Hirnforschung, Verhaltensphänomene und kognitive Vorgänge durch Rückführung