You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»… daß die wahrgenommene Welt eine Welt der Adaptation und nicht so sehr eine Welt der vollkommenen Wahrhaftigkeit ist.« (Gerald M. Edelman)
Wie entsteht der Geist aus dem sich entwickelnden Gehirn? Die Antwort auf diese zentrale Frage der cognitive science ist unter ihren verschiedenen Richtungen heftig umstritten. Der Mediziner und Molekularbiologe Gerald M. Edelman hat sich kein geringeres Ziel gesetzt, als eine Theorie zur Entstehung von Geist und Bewußtsein auf biologischer Basis zu liefern. Er gehört zu den Selektionisten, die der Interaktion lebender Systeme mit der Umwelt größten Wert für ihre Reifung und Entwicklung beimessen. Andere Erklärungsansätze (wie etwa Konnektivismus, Konstruktivismus oder Quantenphysik) vernachlässigen seiner Ansicht nach diesen Zusammenhang. »Putting the mind back into nature« heißt folgerichtig das zweite Kapitel im amerikanischen Original von Gerald M. Edelmans letztem Buch . In der Übersetzung wird daraus: »Der Geist kehrt zurück in die Natur« - eine schwächliche Wiedergabe seiner Absicht. Edelman verweist auf die Vielfalt individueller seelischer Erscheinungen und ihre Verknüpfung mit der Reifungsgeschichte des Organismus. Dies bringt ihn in sympathische Nähe zur Psychoanalyse und ihrem psychohistorischen Aspekt.
Die Grundlagen seiner Vorstellungen hat Edelman in einer Trilogie (Edelman, , 1988, 1989) ausführlich und in differenzierter Argumentation dargelegt. Im Zentrum seiner Vorstellungen steht das Prinzip, das seit Darwin die Sichtweise der Evolution radikal verändert hat: Selektion. Es ist sicherlich kein Zufall, daß er sein letztes Buch Darwin und Freud gewidmet hat. Beiden ging es um die Verknüpfung der Varianz der Spezies und Individuen mit der Geschichte ihres Austausches mit der Umwelt.
Edelman formuliert das in Unser Gehirn - ein dynamisches System (1993) so: »Ich vertrete mit anderen Worten die Ansicht, daß das Gehirn ein selektives System ist, das in seinem Funktionieren eher der Evolution als der Daten- oder Infor