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»Der Mythos ist jenes Gewebe, das sich im Geheimsten unseres Unbewußten befindet und das sich im hellen Licht der Kultur zeigt. Deshalb weckt er in uns Widerstände, ihn lebendig zu fassen - genauso wie das Unbewußte -, und den Wunsch, daraus einen persönlichen Besitz, ein unberührbares Objekt zu machen, genauso wie die Kultur, in der wir verwurzelt sind. Als fruchtbares Feld eines kollektiven Unbewußten findet er sich im Zentrum dessen, was unsere Träume erblühen läßt. Als kulturelles Objekt kann er idealisiert und für politische Zwecke entfremdet werden. Als Objekt der Sublimation weckt und ermöglicht er die Realisierung von künstlerischen Projekten. Als transitorisches Objekt der Psychoanalyse erlaubt er, indem er gemäß dem Beispiel von Freud als Modell des Funktionierens des Unbewußten erachtet wird, Interpretation und Theoretisierung. In der psychoanalytischen Praxis eröffnet der analytische Rahmen die Möglichkeit, die Inszenierung unserer inneren Welt vergleichbar einer antiken Tragödie im Mythos auszubreiten.« Mit dieser Situierung des Mythos zwischen individuellem und kollektivem Unbewußten, Kunst, Theorie und Therapie haben die Herausgeberinnen das weite Feld abgesteckt, das sich der Tagung »Mythos und Psychoanalyse« in Cericy vom Juli 1995 eröffnete. Mit diesen programmatischen Vorbemerkungen werden aber auch Erwartungen geweckt, die die jetzt einer größeren Öffentlichkeit vorgelegte Publikation der Referate nur teilweise erfüllt. Grundsätzliche Überlegungen zu den angesprochenen Fragen treten zugunsten von zum Teil gelungenen und fruchtbaren Analysen einzelner Aspekte in den Hintergrund. Von wenigen Ausnahmen abgesehen - genannt seien die Referate von Jacques Brill, »Die Botschaft des Mannes mit einer Sandale«, und von Béatrice Marbeau-Cleirens »Medea: Das Genitale und das Archaische«,