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Schreiben ist eine von verschiedenen kommunikativen Möglichkeiten, andere und sich selbst (etwas) sehen zu lassen. Genau um diese Verknüpfung von schreiben und sehen (lassen) geht es Gérard Bonnet in seinem neuesten Buch. Er sucht Einsichten das Sehen betreffend theoretisch zu fassen - das unbewußte Sehen und dessen Bedeutung für die Persönlichkeitsstruktur; die theoretische Konzeption der Schaulust durch Freud im Zusammenhang mit den Umständen der Konzeptualisierung; die Bedeutung des Sehens in der psychoanalytischen Therapie, insbesondere für das Setting und die Übertragungsbeziehung und damit verbunden für Funktion und Position des Analytikers; den gewaltsamen Aspekt des Sehens: die Erfahrung, dem (»bösen«) Blick anderer ausgesetzt zu sein, oder die Erfahrung, daß der (exhibitionistische) Gestus anderer einem etwas zu sehen aufzwingt.
Es sei gleich vorweggenommen, daß es dem Autor gelingt, seine Thesen zum Sehen vielfältig reflektiert und im Aufbau konsequent zu entwickeln. Teil 1 skizziert die Situierung des Begriffs der Schaulust in Freuds Werk im Kontext von Narzißmus und Perversion. Im zweiten Teil entwickelt Bonnet in Anlehnung an und Abgrenzung von Freuds Ansatz seine eigene Konzeption vom Begehren zu sehen und ein visuelles Dispositiv, das die Beziehung zum/zur anderen strukturiert, wobei insbesondere die Bedeutung für das Setting in der psychoanalytischen Therapie dargestellt wird. Im dritten Teil unterbreitet der Autor einen Vorschlag, wie sein visuelles Dispositiv zur Therapie der in den letzten Jahren in der medizinischen und teilweise in der psychoanalytischen Literatur erfaßten Symptomatik der Selbstschröpfung von Frauen (des nach der Heldin eines Romans des Romantikers Barbey d'Aurévilly benannten Syndroms von Lasthénie de Ferjol) sowie anderer Fälle, in denen Blutungen zum Problem werden (Menstruation, Wundblutungen), eingesetzt werden kann. Gérard Bonnet führt die Lesenden bestimmt - mit dem unvermeidlichen Zwang gedanklicher Klarheit - von einem A