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Anhand des Fallbeispiels eines Mannes mit narzißtischer Persönlichkeitsstörung schildert der Autor eine spezifische Episode, in welcher der Analysand eine nachhaltige sexuelle Hemmung ausbildete. Verborgen hinter diesem Symptom vermutet Kernberg eine massive Kastrationsangst. Den Stillstand des analytischen Prozesses und die Resistenz der Impotenz führt der Autor auf ein Gegenübertragungsagieren seinerseits zurück: Nachträglich erkennt er, daß er die projektive Identifizierung mit den sexuellen Ängsten des Patienten nicht angenommen, sondern defensiv zurückgewiesen hat. Mit dieser Fallbeschreibung gibt Kernberg einen sehr guten Einblick in seine klinische Arbeitsweise: Er entfaltet die Dynamik der Übertragung und Gegenübertragung, beschreibt die Struktur einer narzißtischen Abwehr und legt die Verzahnung von präödipalen und ödipalen Konflikten offen. In der anschließenden Diskussion stellt Werner Bohleber dieser Falldarstellung eine andere, von Kernberg abweichende Sichtweise der im Zentrum stehenden Episode zur Seite: Er ist der Auffassung, daß es sich bei der in dieser spezifischen Phase der Analyse ausgebildeten sexuellen Hemmung des Patienten nicht um einen ödipalen Konflikt, sondern um ein re-enactment handelt, das neues, bis zu jenem Zeitpunkt des analytischen Prozesses unzugänglich gebliebenes traumatisches Material aus der Primärbeziehung in die Übertragung bringt.