You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In der klinischen Diskussion der Psychoanalyse über die männliche Sexualität hat die Kastrationsangst eine eher randständige Position erhalten. Hatte sie für Freud eine grundlegende organisatorische Funktion für die seelische Entwicklung (vgl. Green, 1990), so stehen in den heutigen Analysen als Ursachen sexueller Probleme des Mannes vorwiegend prägenitale Ängste, der Neid des Mannes auf die Frau, Wünsche nach Verschmelzung mit dem Primärobjekt und dadurch ausgelöste Ängste vor Verschlingung und Vernichtung bzw. vor drohendem Selbstverlust, im Vordergrund (z. B. Glasser, 1985; Amati-Mehler, 1992).
Otto F. Kernberg hat einen Patienten mit einer narzißtischen Persönlichkeitsstörung vorgestellt, der nach Durcharbeitung seiner narzißtischen Charakterpathologie und dem Erringen der Fähigkeit zu reiferer Objektbeziehung plötzlich eine schwere sexuelle Hemmung ausbildet. Diese länger anhaltende Episode in der Behandlung wird von Kernberg ausführlich geschildert, und er gibt uns einen exzellenten Einblick in seine Art, klinisch zu arbeiten: in die Dynamik der Übertragung und Gegenübertragung, die Struktur einer narzißtischen Abwehr und in die Verzahnung von präödipalen und ödipalen Konflikten. Vor allem aber bekommen wir einen Einblick, wie der Patient während der Analyse eine sexuelle Störung ausbildet, die sich um eine massive Kastrationsangst zentriert. Ich werde mich auf diesen Aspekt konzentrieren.
Als in der Analyse vom Ende der Behandlung die Rede ist, entwickelt Herr F. plötzlich eine schwere sexuelle Hemmung. Die Deutung ödipaler Schuldgefühle über Ehe und Vaterschaft sowie des Endes der Analyse als eines Verlustes einer gütigen Vaterfigur haben keine verändernde Wirkung. Im Gegenteil, die Angst des Patienten über den zunehmenden Verlust seiner sexuellen Erregbarkeit steigert sich. Er wird mehr und mehr von Vorstellungen beherrscht, organische Faktoren seien bei seiner Störung im Spiel. Schließlich sucht der Patient mit Zustimmung des Analytikers eine organische Abkl