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In dem 1995 erstmals unter dem Titel The Many Faces of Eros in New York erschienenen Buch führt Joyce McDougall den Leser auf eindrucksvolle Weise in Bereiche der menschlichen Psyche, die üblicherweise aus dem Bewußtsein ausgeklammert bleiben.
Im Zentrum ihrer Betrachtung steht die menschliche Sexualität, die aus ihrer Sicht eine zutiefst traumatische ist. Dieses Trauma beginnt mit der Vorstellung des »Anderen« als eines vom Selbst verschiedenen Objekts, die im Kind Frustration, Wut und jene primitive Form von Depression erzeugt, die jeder Säugling im Verhältnis zum ursprünglichen Objekt seiner Liebe und seines Begehrens erlebt. Ihm folgt die Entdeckung des Geschlechtsunterschieds, die ebenfalls traumatisch ist, weil sie den ubiquitären Wunsch des Kindes vereitelt, beide Geschlechter zu verkörpern und beide Eltern zu besitzen. Sexuelle Identität setzt für McDougall eine Trauer voraus, in der von dem Wunsch Abschied genommen wird, das zu besitzen, »was von mir verschieden ist« (S. 11). Hinzukommt als weiteres traumatisches Element die Erkenntnis von der Unvermeidlichkeit des Todes.
Verdichtet sind diese traumatischen Erfahrungen in den Phantasien um die Urszene. In diesen Phantasien spiegeln sich unter anderem auch die bisexuellen Ansprüche des Kindes wider, beide Geschlechter zu sein und zu haben, die während des Aufbaus der psychischen Struktur zu vielerlei Verwirrungen führen können. Kindliche Urszenenphantasien sind immer sowohl heterosexueller als auch homosexueller Natur. Dabei hat das homosexuelle Begehren für McDougall das doppelte Ziel, den gleichgeschlechtlichen Elternteil für sich zu besitzen, aber auch, wie der gegengeschlechtliche Elternteil zu sein und damit über dessen Privilegien und Vorrechte zu verfügen. In den Urszenenphantasien, die sie beschreibt, geht es auch nicht nur um phallisch-ödipale Konflikte, wie wir sie von Freud her kennen. Urszenenphantasien sind sehr oft prägenitaler Natur. Das bedeutet, daß sie sich auf der Ebene oral- oder anal-eroti