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Ilse Grubrich-Simitis, Board-Mitglied der Psyche, erhielt den »Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa 1998«. Dieser Preis wird seit 1964 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, »zur Förderung einer Gattung (»gelehrte Prosa«) verliehen, die der Akademie im Vergleich zu anderen europäischen Literaturen, bei den Schaffenden wie bei den Aufnehmenden, nicht gebührend geschätzt und daher auch nicht genügend entwickelt erscheint«. Zu den Preisträgern gehörten in früheren Jahren Wissenschaftler verschiedener Disziplinen wie Adolf Portmann, Werner Heisenberg, Jürgen Habermas, Hartmut von Hentig, Walther Killy, Paul Parin sowie, als einzige Frau, Hannah Arendt. Ilse Grubrich-Simitis wurde, wie es in der Urkunde heißt, für ihr »Bemühen um die Lesbarkeit des Werkes von Sigmund Freud« geehrt, »dem ihre Sorge ebenso in philologischer wie in hermeneutischer Hinsicht gilt. Sie hat verborgene Schichten in Freuds Werk aufgedeckt, und sie versteht es, frei von Wissenschaftsjargon, auch komplexe Zusammenhänge glanzvoll und elegant darzustellen.«
Der Preis wurde am 17. Oktober 1998 im Staatstheater Darmstadt verliehen, wie üblich gleichzeitig mit dem Georg-Büchner-Preis, dem angesehensten deutschen Literaturpreis, und dem »Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay«. Wir drucken im folgenden die Dankrede ab, die Ilse Grubrich-Simitis bei diesem Anlaß gehalten hat. Sie würdigt darin Freud nicht nur als großen Prosaisten, sondern zugleich als enzyklopädischen Sprach- und Textforscher, und sie kommt auch auf die »wüsten Attacken« zu sprechen, denen die Psychoanalyse und ihr Begründer gegenwärtig in den Medien ausgesetzt sind.