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Auf über 20 Druckseiten hat Michael Schröter (1998) in der Psyche zwei Aufsätze (Fallend, 1997; Nitzschke, 1997)1 aus einem Sammelband kritisiert, dessen vollständigen Titel — Karl Fallend und Bernd Nitzschke (Hg.) (1997a): Der »Fall« Wilhelm Reich. Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Politik. Frankfurt a. M. (Suhrkamp) — die Leser aus dem umfangreichen Literaturverzeichnis Schröters erst heraussuchen müssen. Die zur Verhandlung stehenden zwei Beiträge sind von den Herausgebern dieses Sammelbandes verfaßt, denen Schröter vorwirft, sie hätten den »Mythos vom Opfer-Helden«, den Wilhelm Reich »geschaffen« habe, im Sinne eines »Gut-Böse-Schema(s)« (S/176) nacherzählt und Reich als »Lichtgestalt« (S/193) verklärt. Ihre Re-Konstruktion des Werdegangs von Reich und der Hintergründe seines Ausschlusses aus der DPG/IPV bezeichnet Schröter deshalb als »manichäische Konstruktion«. Diese Auffassung steht nun allerdings im Widerspruch zur Gesamtkonzeption des Buches sowie zu zahlreichen Einzelaussagen, die es enthält — etwa zu der von Fallend über Reich: »Markant ist sein rücksichtsloses Vorgehen zur Durchsetzung seiner Vorstellungen; er ist mit taktischen Winkelzügen ebenso vertraut wie mit der Bildung und Dominanz kleiner Oppositionsgruppen, die diszipliniert, autoritär-hierarchisch strukturiert waren« (F/29). So charakterisiert man keine »Lichtgestalt«.
Schröter versucht Nitzschkes zentrale These zu widerlegen, der zufolge Reichs Ausschluß aus der DPG/IPV in den Jahren 1933/34 als Paradigma der Politik der DPG/IPV-Funktionäre gegenüber dem NS-Regime zu verstehen wäre. Die Tatsache von Reichs Ausschluß ist von Nitzschke so detailliert belegt worden, weil sie in der psychoanalytischen Vereinsgeschichtsschreibung, die Nitzschke (1998) an anderer Stelle analysiert hat, immer wieder bestritten (z. B. Jones, 1957, Bd. 3, S. 229; Friedrich, 1990, S. 163) oder ignoriert (Gay, 1987) worden ist.2
Inzwischen ist die krude Tatsache, daß Reich in Luzern 1934 ausgeschlossen worden