You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Obwohl die Narzißmustheorie Béla Grunbergers Möglichkeiten bietet, die bei Kohut und Kernberg offengebliebenen Fragen zu beantworten, ist sie im angelsächsischen und deutschsprachigen Raum wenig rezipiert worden. Die Autorin stellt im ersten Teil Grunbergers Hauptthesen und deren Kernaussage vor, der zufolge die Manifestationen des primitiven Narzißmus auf eine »pränatale Koenästhesie« zurückzuführen sind. Pränatale Koenästhesie umfaßt die lückenlose Versorgung des Fötus, der im Mutterleib aufgrund fehlender Triebspannungen ein subjektiv körperloses Dasein führt. Erst mit der Geburt wird er gezwungen, aus der rein narzißtischen Dimension herauszutreten und seine begrenzte körperlich-triebhafte Ausstattung anzuerkennen. Im zweiten Teil beschreibt Kaminer einen weiteren Aspekt der Dialektik von Narzißmus und Trieb bei Grunberger: die Monade. Monade heißt, daß zwischen Mutter und Kind eine »doppelte Einheit« besteht. Mit zunehmender Triebentwicklung des Kindes löst diese sich auf und wird anschließend zunächst auf die Familie, dann auch auf die Kultur übertragen. Die Wirkweise der Monade demonstriert die Autorin an verschiedenen kulturellen und klinischen Beispielen.