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Es ist ein schönes, reichhaltiges, theoretisch und praktisch wertvolles Werk, das uns die beiden Autorinnen vorlegen — zugleich wohlausgestattet mit literarischen Auszügen und Hinweisen und reich bestückt mit geschichtlichen und gesellschaftskritischen Schlaglichtern. Einfach und komfortabel ist es freilich nicht, da vieles, was selbstverständlich erscheint oder gängige Meinung ist, in Frage gestellt und in neuer Perspektive angeschaut wird. Die Haltung wird sehr schön zusammengefaßt im Bild von Herausforderung und Probe des Mutes, das ebenso auf das Werk selbst angewendet werden kann: »Es ist unser Anliegen, die Entwicklung des Mädchens als Herausforderung wie als Probe seines Mutes, seiner Phantasie und Liebesfähigkeit zu begreifen; darzustellen in szenischen Bildern, die weder der Rhetorik der Benachteiligung noch jener des Immerschon-Weiblichen einen Gefallen tun. Es sollen neue, bisher nicht oder nur flüchtig beschriebene Entwicklungsszenen lebendig werden, die in ihrer Bedeutung für weibliche Selbstverantwortung und weibliche Unabhängigkeit noch nicht ausgelotet sind« (S. 13). Das heißt, es wird methodisch von der Entwicklung der »Spielfelder von Beziehungen […] im szenischen Raum« ausgegangen (1996): »Wir verstehen Szenen […] als Thematisierungen subjektiver Anliegen sowie als psychosoziale Kompromißbildungen« (S. 31). »Unser Interesse gilt größeren thematischen Zusammenhängen, »Modellszenen« im Sinne Lichtenbergs […] prototypischen Formen des Zusammenspiels zwischen Akteuren« (S. 190). Dies wird besonders eindrücklich auch anhand von Märchenstrukturen aufgewiesen (z. B. »die beiden Ausgangskonstellationen […] des ersehnten Kindes und des ausgelieferten Kindes« (S. 196). Oder es wird die »narzißtische Selbstausgrenzung […] im Bewußtsein erlittenen Unrechts« mit Hilfe von Jane Eyre (C. Brontë) geschildert.
Die Benutzung eines solchen Modells von idealtypischen Szenen hat den doppelten Vorteil, daß es das Innenleben in seiner Konflikthaftigkeit erfaßt und dies i