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Der Autor befaßt sich mit neueren Versuchen zur Abschaffung der Vergangenheit in der Entwicklungspsychologie. Kontextualistische Entwicklungsmodelle — wie z. B. das von Michael Lewis — behaupten, daß die gegenwärtigen Lebensumstände, nicht die (früh)kindlichen Erfahrungen das aktuelle Verhalten und Fühlen des Menschen bestimmen. Im Durchgang durch die einschlägige entwicklungspsychologische, neuropsychologische und gedächtnispsychologische Forschung zeigt der Autor die Einseitigkeiten dieser Betrachtungsweise auf. Abschließend diskutiert er die möglichen gesellschaftlichen Tendenzen, die zu einer Relativierung der Bedeutung der Vergangenheit beitragen: Das sich ständig steigernde Modernisierungstempo zeitgenössischer Gesellschaften scheint die Vergangenheit zum Verschwinden zu bringen, indem es zu einer generellen Entwertung von Erfahrung führt und zu einer fast ausschließlichen Konzentration auf das »Hier und Jetzt«. Theorien, die diesen Trend artikulieren, haben deshalb, trotz ihres begrenzten Wahrheitswertes, das Verdienst, eine allgemeine Zeitstimmung einzufangen.