You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Was ist das eigentlich — die Seele oder das Bewußtsein oder das Denken, auf deren Spuren die Freudsche Methode ihre Odyssee durchs Unbewußte unternimmt? Wörtlich verstanden ist eine wissenschaftliche Methode bekanntlich nichts anderes als ein Weg (met-hodos), und der Königsweg in den dunklen Kontinent, die Traumanalyse, ist seit den vorsokratischen Frühstadien der Denkgeschichte etwa in Heraklits Wort von den unergründlichen Weiten der Seele, die sich einzig im Traum andeuten, auch der Gegenstand der Philosophie.
Das Buch von Cavell stellt sich diese Frage mit sprachanalytischer Entschiedenheit; es kann ohne Übertreibung als Schlüsseltext für das Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie gelten. Schon der furiose Start, der die Grundbegriffe der sprachanalytischen Philosophie klärt (I. Teil), gibt dem Leser das Gefühl, endlich der Intertextualität des Gegenstands der psychoanalytischen Wissenschaft im Austausch mit ihren Nachbarwissenschaften auf die Spur zu kommen. Der II. Teil (»Nachdenken über Kinder«) konfrontiert die philosophische mit der empirisch-wissenschaftlichen Herangehensweise an die Entwicklung von Denk- und Affektstrukturen, während sich der III. Teil (»Irrationalitäten«) kritisch mit philosophisch problematischen Kategorien der Psychoanalyse wie dem »Primärprozeß«, der »Verdrängung« und der »Teilung des Selbst« auseinandersetzt. Spätestens im Schlußteil über »die Wertschätzung und das Selbst« gelangt der Rezensent jedoch zu dem resignativen Schluß, daß es für die oben behauptete Einführung in die Intertextualität der Psychoanalyse durch Cavells Buch noch sehr vieler Vorarbeiten bedarf und dieser Text letztlich nur ein Anstoß zum großen wissenschaftstheoretischen Selbstverständigungsprozeß der Psychoanalyse sein kann, der ein immer unüberhörbarer werdendes Desiderat der Theoriebildung in der Psychoanalyse bleibt.
Vom Ansatz her versucht Cavell, die epistemologische Lücke zu schließen, die die psychoanalytische Lehre des therapeutischen Verstehens zu