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Soll man dieses Buch poetisch nennen, philosophisch, sprachwissenschaftlich oder psychoanalytisch? Es entstand aus einem Vergleichsspiel der beiden Sprachen Französisch und Deutsch, als einige französische Psychoanalytiker sich um eine neue Übersetzung eines Freud-Textes ins Französische bemühten.
11 Jahre nach seiner Veröffentlichung liegt Quand Freud voit la mer — Freud et la langue allemande nun in deutscher Übersetzung vor. Ein reiches Buch, in dem Georges-Arthur Goldschmidt trotz der Unendlichkeit seines Sujets — wie das Meer sind die Sprachen weit und grenzenlos, Überall ist das Wasser anders und doch immer gleich — immer präziser sich dem Unübersetzbaren und Unsagbaren nähert.
Freud hat die Sprache zu ihrem eigentlichen Ausgangspol, dem jeweils Sprechenden, zurückgeführt, so daß sich jeder fragen kann: »Was passiert mit mir, wenn ich rede?« Wo eine Sprache nicht Übersetzbar ist, entsteht ein Zwischenraum. Dieser Zwischenraum enthält vielleicht mehr noch als der verstehbare Wortlaut den Sinn. Je weniger sich ein Satz Übersetzen läßt, desto mehr drängt er zum Übersetzt-werden, so als ob gerade die Sprache am deutlichsten zu hören wäre, wo sie eben schweigen muß. Letztlich versucht jede Sprache auf ihre Weise, die »Grundsprache« zu erfassen. Die verschiedenen Sprachen — hier das Französische und das Deutsche — versuchen dies auf teilweise ähnliche, teilweise unterschiedliche Weise. Das Wellenspiel der Bedeutungen wird wissenschaftlich präzise, gleichzeitig aber auch in poetischen Worten anschaulich gemacht. Goldschmidt entlehnt bei französischen und deutschen Philosophen und Dichtern Hilfen, das Unsagbare, das Unbewußte immer genauer zu fassen. Er macht uns aufmerksam auf die Fähigkeit der Dichter und der Philosophen, das, was durch die Sprache spricht, auszudrücken. Eine wichtige Hilfe müssen sie auch für Freud gewesen sein, auch und gerade da, wo Freud seine Vorgänger, Vordenker nicht erwähnt (La Bruyère mit Ménalque z. B., die Personifizierung der Psychopatholo