You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Psychoanalyse und Film sind zwar fast gleichzeitig dem Geist des ausgehenden 19. Jahrhunderts entsprungen und haben das 20. Jahrhundert entscheidend mitgestaltet, blieben aber trotz dieser Verwandtschaft auf institutioneller Ebene lange Zeit auf Distanz. Das weite Land der Seele und der tiefe Raum des Kinos waren nur zögernd zu einer gegenseitigen Durchdringung bereit. Dafür mag Freuds ambivalente Einstellung gegenüber dem Visuellen einerseits und die Theoriescheu der Kinematographie andererseits maßgeblich gewesen sein. Auch in der Folgegeschichte der Psychoanalyse haben sich Psychoanalytiker nur selten auf Kino-Debatten eingelassen. Insgesamt gibt es zum Kino keine vergleichbaren klassischen Texte, wie sie zur Literatur oder Bildenden Kunst entstanden sind. Daß das Kino weder unter dem Aspekt der Massenpsychologie noch dem seiner immensen Fähigkeit zur Umsetzung bildhafter und szenischer Phantasien wahrgenommen wurde, mag verwundern, liegt aber sicher zum Teil daran, daß das Kino für ebenso anrüchig galt wie die Psychoanalyse, die sich dann doch lieber Michelangelo oder Shakespeare widmete.
Dieser vornehmen Zurückhaltung der Psychoanalyse dem neuen Medium gegenüber kontrastierte allerdings ein reges Interesse der praktischen wie theoretischen Vertreter des Kinos an den Erkenntnissen der Psychoanalyse. Insbesondere die feministische Filmtheorie, die bereits Ende der siebziger Jahre mit der angloamerikanischen Debatte um den Ausschluß der weiblichen Subjektivität aus dem Kino ihren Ausgang genommen hatte und sich mit ihren psychoanalytischen Untersuchungen dem Genre des Frauenfilms, dem Melodrama und dem frühen Kino zuwandte, um die jeweils historische Gestalt weiblicher Subjektivität zu erfassen, hat mit den Deutungsfiguren der Psychoanalyse ausgesprochen vielfältig und kreativ gearbeitet. Die Psychoanalyse bekam als soziale Institution und als Theorie des Unbewußten einen festen Platz in der filmischen Produktion zugewiesen, ohne daß diese Aneignung von der Psychoa