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Es ist ein Buch entzauberter Liebe geworden, das Martynkewicz Über den genialischen Groddeck geschrieben hat. Sein Neuigkeitswert liegt darin, daß der Autor erstmals freien Zugang zu dem gesamten Nachlaß Groddecks hatte, daß er sorgfältig und intensiv recherchiert hat und Über eine Fülle neuer biographischer Einsichten und Zusammenhänge berichten kann. So ist eine empfehlenswerte Biographie entstanden, die jedoch manch ärgerliche Aspekte hat.
Doch zunächst zum Guten. Bisher hat sich noch niemand in dieser Ausführlichkeit mit den Hintergründen von Groddecks Leben beschäftigt. Martynkewiczs Beschreibungen beispielsweise der beiden Großväter Groddecks, der väterlichen Unternehmungen in Bad Kösen oder der Schulzeit im Internat Schulpforta sind plastisch, lesen sich hervorragend und lassen vieles an Groddecks Entwicklung besser verstehen. Auf hohem Niveau zeichnet Martynkewicz zudem die kulturgeschichtlichen Traditionen nach, in deren Zusammenhang Groddeck sich zu einem sendungsbewußten Antimodernisten und charismatischen Arzt entwickelt hat.
Manch diffizile Fragen kann der Autor durch neue Funde genauer klären, beispielsweise die Genese von Groddecks Begriff des Es, um den im Anschluß an Nitzschkes Psyche-Artikel von 1983 heftige Diskussionen entstanden waren. Martynkewicz hat die direkte Quelle für Groddecks Es gefunden in einem Aufsatz von Wilhelm Bölsche im Kunstwart Über »Die Auferstehung des Religiösen durch die Kunst« . Bölsche spricht wie später Groddeck vom Es als dem schaffenden Weltprinzip, zieht ebenfalls die Verbindung zu Goethes »Gott-Natur« und sieht im Es die vermeintlichen Gegensätze von Seelenleben und Körperwelt aufgehoben. Ich stimme Martynkewicz zu, daß Bölsche beileibe nicht