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»Wir sind doch hier die Station der Hoffnungslosen«, sagte mir einmal eine Stationsschwester einer Entgiftungsstation mit einer Mischung aus Resignation, Verzweiflung, Zorn und Verachtung. Psychoanalytiker drücken sich zumeist weniger drastisch aus — notfalls indem sie ein Thema kaum behandeln: Die Auseinandersetzung mit der Psychodynamik des Drogenzwangs findet — sieht man einmal von Wolf-Detlev Rosts Monographie Über den Alkoholismus ab — weitgehend nicht statt. Wohl nicht ohne Grund: »Ich beginne dieses Buch«, so Wurmser (S. 17), »mit dem Eingeständnis meiner sehr gemischten Gefühle gegenüber Süchtigen, die mich unzählige Male in den vielen Jahren meiner Arbeit mit ihnen Überfallen haben. Vor allem stießen mich ihre provokante Lebensweise und ihr Verhalten ab — ein Gefühl, daß ich es hier tatsächlich mit dem Abschaum der Menschheit zu tun hatte, ärger darüber, belogen und manipuliert zu werden, und Verachtung für ihr Prahlen mit dem Rausch und ihre Verhöhnung jeglicher Bemühung, ihnen zu helfen, und die Mißachtung aller Regeln, nach denen Menschen leben. Als ich jedoch lernte, sie besser zu verstehen, gingen mein ärger, meine Abscheu und meine Frustration zurück, und tiefe Verzweiflung und Mitleid brachen hervor, der Wunsch zu helfen und das Gefühl, nicht helfen zu können.« Um es gleich vorweg zu sagen: es ist eines der Hauptverdienste dieses Buches, hinter die endlose Rotation gegenseitiger Beschuldigungen und Beschämungen, hinter Triumph Über Gesetz und Behandlung einerseits und drastische Disziplinierungsversuche andererseits zu schauen und die Tragödie von Drogensüchtigen einfühlbar zu machen.
Wurmser spricht bewußt vom Zwang des Drogenmißbrauchs: schwerwiegende innere Konflikte und strukturelle Defizite gehen dem zwanghaften Drogengebrauch immer voraus: »Drogen sind nicht das Problem« (S. 15). Denn der experimentelle, gelegentliche, oft vorübergehende Drogenkonsum ist unbedingt von intensivem und zwanghaftem Konsum zu unterscheiden. Tatsächlich werden ja nur