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Dieses Buch gehört in einen Kontext, der — vorwiegend außerhalb des psychoanalytischen Mainstreams — den Verlust des Sexuellen im psychoanalytischen Diskurs beklagt. Lilli Gast sagt, das Zeitalter des Narzißmus scheine mit einer entsexualisierenden Androgynisierung der Gesellschaft und der psychoanalytischen Theoriebildung einherzugehen, was bedeute, daß nicht nur die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen negiert werde, »sondern dessen Subjekthaftigkeit, wie sie ihren Ausdruck in der Anerkenntnis der Geschlechterdifferenz finden muß« (Gast, Libido und Narzißmus, Tübingen 1992, S. 397).
Die Verflüchtigung des Sexuellen (Parin) betrifft nicht nur die Psychoanalyse an sich, sondern vor allem die Theorien zur Weiblichkeitsentwicklung, wie Lilli Gast Überzeugend aufgezeigt hat. Mit Christa Rohde-Dachser fragt es sich, ob Freuds Thesen Über die Weiblichkeit für den psychoanalytischen Diskurs der Psychoanalyse viel weniger peripher sind, »als ihre scheinbar leichthändige Umschrift in die Sprache der Moderne glauben machen möchte« (Rohde-Dachser, Expedition in den dunklen Kontinent, Berlin 1992, S. 14 ff.). Ob die Theorie des phallischen Monismus so selbstverständlich geworden ist, daß Psychoanalytikerinnen, Patientinnen, Frauen die sie inkriminierenden Theorien nicht mehr wahrnehmen.
Inzwischen ist die homosexuelle Ebene in den Beziehungen zwischen Mutter und Tochter als Leerstelle der psychoanalytischen Theorie erkannt worden und hat von Eva S. Poluda-Korte (»Der lesbische Komplex«. In: E. M. Alves [Hg.]: Stumme Liebe, Freiburg 1993), eine erste theoretische Formulierung erfahren. Sie greift das Tabu der Homosexualität auf, dem alle zeitgenössischen Versuche, die Theorie der Weiblichkeit neu zu bestimmen, bisher aufgesessen sind. Obwohl es Poluda-Kortes außerordentliches Verdienst ist, die Theorie der weiblichen Subjektkonstitution vom Fehlweg Über den Penisneid befreit zu haben, greift ihr Ansatz hinsichtlich einer Theorie der Geschlechterdifferenz noch zu kurz. Sie beschrei