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Auf dem Kongreß der EPV vom 20. bis 23. März 1997 in Genf hielt Alexander
Moser einen Vortrag mit dem Titel: »Eine oder mehrere Psychoanalysen …«. Er stellte verschiedene theoretische Ansätze dar, die in den Mitgliedsgesellschaften der EPF je nach psychoanalytisch-theoretischem, sozialem und kulturellem Hintergrund sehr unterschiedlich verstanden und angewandt werden. Es wurde erlebbar, wie schwierig es für die Psychoanalytiker ist, sich zu verständigen. Es wurde die Frage formuliert, wie auf die Herausforderung zu reagieren sei, einer multikulturellen Gesellschaft anzugehören und in sehr verschiedenen psychoanalytischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verwurzelt zu sein und trotzdem zur Kommunikation zu gelangen.
In der Diskussion um dieses Thema hielt André Green ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Psychoanalyse. Er forderte die Psychoanalytiker auf, sich den Konflikten zu stellen, die sich aus unterschiedlichen theoretischen Orientierungen ergeben, indem grundsätzlich unterschiedliche Voraussetzungen des Theoretisierens herausgearbeitet und mit der klinischen Praxis in Beziehung zu setzen seien. Dieses Bemühen um die Klarheit der psychoanalytischen Theorie — indem nämlich ihre Struktur herausgearbeitet wird — bildet den wissenschaftlichen Hintergrund für die vorliegende Arbeit.
Ein weiterer Bezugspunkt ergibt sich aus der Erstveröffentlichung des Textes in der Reihe Que sais-je?. Die Presses Universitaires de France läßt darin die verschiedensten Wissenschaften, vertreten durch herausragende Repräsentanten ihres Fachs, zu Wort kommen. André Green vertritt die Psychoanalyse; und er hat den Kastrationskomplex gewählt, um in der Auseinandersetzung mit diesem Konzept die Art und die Stellung der psychoanalytischen Theorie unter den anderen Wissenschaften zu beschreiben. Darüber hinaus unternimmt er es, die Entwicklung der Theorie bei Freud und die wichtigen Ansätze ihrer Weiterentwicklung darzulegen. Daraus ergeben sich die drei Teile, in die sich der Text