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Der Autor entwickelt, ausgehend von der Beschreibung des Typus melancholicus durch Tellenbach (1974), psychoanalytische Einblicke in die Psychodynamik der melancholischen Persönlichkeit, die zur Ausbildung einer monopolaren Depression disponiert. Dabei läßt sich die im Typus melancholicus gefaßte Persönlichkeitsstruktur, die noch von Abraham (1924a) mit dem Zwangscharakter gleichgesetzt wurde, trotz vieler Gemeinsamkeiten von diesem eindeutig abgrenzen. Zentrale Schaltstelle der Psychodynamik des Typus melancholicus ist das Über-Ich, das aufgrund lebensgeschichtlicher und sozialisationsbedingter Besonderheiten in der melancholischen Entwicklung spezifisch ausgestaltet ist: Der Melancholiker neigt schon vor Manifestation einer depressiven Erkrankung dazu, Teile der Über-Ich Funktion in die Außenwelt zu projizieren, und macht sich so von seinen Objekten, die nun eine Art Hilfs-Über-Ich bilden, moralisch abhängig. In diesem Zusammenhang diskutiert der Autor auch das besondere Verhältnis von Über-Ich und Ichideal in der melancholischen Entwicklung und kann deutlich machen, daß das Ichideal hier nahezu vollständig unter das Über-Ich subsumiert ist. Schließlich zeigt der Autor, wie und unter welchen besonderen Umständen das im Typus melancholicus fein ausbalancierte Gleichgewicht der inneren Konflikte zusammenbricht und sich daraus das Krankheitsbild der Depression entfaltet.