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Der französische Psychoanalytiker und Rechtsgelehrte Pierre Legendre dürfte dem deutschsprachigen Fachpublikum kaum bekannt sein. Es liegen erst zwei Arbeiten in Deutsch von ihm vor; die eine — eine Studie zur Repräsentanz der Juden im justinianischen Gesetzeskodex — erschien in dieser Zeitschrift, dieweil ein luzider Kommentar zur Auflösung der Pariser Ecole freudienne durch Lacan für die Kasseler »Frag.mente« übersetzt wurde. Dieser übersetzerische Mißstand wird nun durch das vorliegende Buch beendet. So beginnt sich — flankiert von einem umfassenden Porträt Legendres durch den Literaturwissenschaftler Manfred Schneider in der Frankfurter Rundschau vom 2.10.1998 — die Entdeckung einer psychoanalytischen Denkposition abzuzeichnen, deren theoretischem Kraftfeld man sich am Ende dieses ersten Freudianischen Säkulums nicht wird entziehen können.
Hier handelt es sich um den einstweilen letzten Band einer nunmehr auf acht Titel angewachsenen Reihe von Leçons aus Legendres Lehrtätigkeit an der Pariser Ecole pratique des hautes études sowie an der dortigen Universität I. Im historischen Wendejahr im französischen Original erschienen, zieht Legendre mit seiner Abhandlung über den Vater eine Summe des Jahrhunderts, dessen Ende von seiten namhafter Historiker zwischenzeitlich auch auf dieses Jahr datiert wurde. Im wesentlichen addiert sich diese Summe für ihn gleich vorweg in seiner Vorbemerkung aus zwei Fragen und einem Postulat: »Wie begegnen wir heute der Notwendigkeit, das menschliche Schauspiel des Inzests und des Mordes in Worte zu fassen, um ihre Realisierung im Alltag zu vereiteln? Wie kommen wir ihr nach? Ihr begegnen, ihr nachkommen, das heißt nicht geringeres, als in einer Gesellschaft das Prinzip der Vernunft und des Grundes zu stiften, an das die Gesetze gebunden sind« (S. 9). Das sind natürlich klassische Fragen; die Methode indes, mit der Legendre als Psychoanalytiker und Rechtstheoretiker sich ihrer annimmt, ist gerade kraft dieses Junktims von verblüffend