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Das Verständnis der Übertragungsphänomene bildet für die Psychoanalyse das Kernstück ihres therapeutischen Verfahrens. Aber diese Phänomene sind nicht auf die therapeutische Beziehung beschränkt: der Begriff der Übertragung dient mittlerweile vielfach zum Verständnis menschlicher Beziehungen und sozialer Realität ganz allgemein.
Betrachtete Freud die Übertragung anfangs als etwas, das als Widerstand gegen das Erinnern auftreten konnte, so erkannte er bald ihre Bedeutung als therapeutisches Agens. In ihr werden Wünsche und Gefühle wieder lebendig, die einer Person der Vergangenheit galten, aber aufgrund einer »falschen Verknüpfung« auf den Analytiker übertragen werden. Es sind »Neuauflagen« von Regungen und Phantasien, aber auch »Neubearbeitungen«, die sich an einer realen Besonderheit des Analytikers festmachen. Freud war überzeugt, daß die Übertragung eine Wiederholung der Vergangenheit, eine Wiederbelebung von früheren Wünschen und Ängsten ist, die die Fähigkeit des Patienten, die wahre Natur der gegenwärtigen Realität wahrzunehmen, verzerren. Dem entsprach die Position eines Analytikers als reiner Spiegel, auf dem sich die unbewußten, in der Übertragung manifestierenden Wünsche des Patienten abbilden. Der Analytiker war Beobachter und Deuter, seine Persönlichkeit nicht weiter von Belang.
Heute wird Übertragung nicht nur als eine Wiederholung alter Beziehungen, sondern auch als eine neue Erfahrung aufgefaßt. Der Patient überträgt Selbst- und Objekt-Repräsentanzen und dazugehörige Affekte auf den Analytiker, und diese Übertragung ist ihrerseits vom Verhalten des Analytikers bestimmt, das den Patienten stets beeinflußt, selbst wenn jener sich zurückgezogen und schweigend verhält. Die analytische Beziehung als ganze ist damit in den Mittelpunkt der Betrachtung getreten. Diese veränderte Auffassung der Übertragung wurde auch beeinflußt von der erkenntnistheoretischen Diskussion darüber, wie wir Vergangenheit verstehen können. So erscheint Übertragung heute weniger als r